EU-Kommission prüft Folgen der Anthropic-Sperre und mahnt die USA

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EU-Kommission prüft Folgen der Anthropic-Sperre und mahnt die USA Die Europäische Kommission untersucht die praktischen Auswirkungen einer US-Exportkontrollrichtlinie, die das KI-Unternehmen Anthropic zwingt, den Zugang zu seinen neuesten Modellen zu sperren. Brüssel hält fest, dass Vorsorgemaßnahmen dieser Art Partner nicht diskriminieren dürfen.

Was passiert ist

Anthropic hat den Zugang zu den erst kurz zuvor veröffentlichten Modellen Fable 5 und Mythos 5 blockiert. Hintergrund ist eine Anordnung der US-Regierung, die den Zugriff ausländischer Staatsangehöriger auf diese Modelle untersagt, begründet mit Bedenken für die nationale Sicherheit. Betroffen sind selbst ausländische Mitarbeiter des Unternehmens. Da Anthropic seine Nutzer nicht zuverlässig nach Staatsangehörigkeit unterscheiden kann, blieb nur die vollständige Abschaltung beider Modelle für alle Kunden, auch in Europa. Andere Modelle des Anbieters sind nicht betroffen. Das Unternehmen bewertet die Verfügung als Missverständnis und will den Zugang so rasch wie möglich wiederherstellen.

Anlass der Anordnung dürfte ein Bericht über eine Methode sein, mit der sich die Schutzmechanismen von Fable 5 so umgehen lassen, dass das Modell für Angriffe nutzbar wäre. Mythos gilt als besonders leistungsfähig darin, langjährig unentdeckte Software-Schwachstellen aufzuspüren, eine Fähigkeit mit doppeltem Verwendungszweck.

Reaktion der EU-Kommission

Kommissionssprecher Thomas Regnier verwies darauf, dass eine neue Generation hochleistungsfähiger KI-Modelle auf den Markt komme, die Vorteile für die Cyber-Abwehr biete, zugleich aber ernste Fragen für die Cybersicherheit aufwerfe. Vorsorgemaßnahmen in diesem Zusammenhang dürften Partner nicht benachteiligen. Die Kommission prüfe die konkreten Konsequenzen für europäische Nutzer genau. Der Vorgang sei ein weiterer Beleg dafür, dass Europa seine technologische Souveränität stärken müsse.

Österreichische Stimme

Aus Österreich meldete sich der grüne Netzpolitiksprecher Süleyman Zorba zu Wort. Wer seine digitale Infrastruktur vollständig in fremde Hände lege, mache sich nach seiner Einschätzung abhängig und angreifbar.

Einordnung

Der Fall zeigt, dass leistungsfähige KI nicht mehr nur als Produkt oder Abonnement behandelt wird, sondern als strategische Technologie, deren Zugang politisch begrenzt werden kann. Für europäische Organisationen verschärft sich damit eine bekannte Risikolage: Geschäftskritische Funktionen, die auf US-gehosteten Modellen aufsetzen, stehen unter dem Vorbehalt einseitiger exportrechtlicher Eingriffe, auf die weder Anbieter noch Kunden Einfluss haben.

Praktisch relevant sind daraus zwei Konsequenzen. Erstens gehören Abhängigkeiten von einzelnen, extraterritorial regulierten Anbietern in jede Risikobewertung, etwa im Rahmen von Lieferanten- und Drittparteienrisiken nach ISO 27001 oder DORA. Zweitens gewinnen Mehrlieferantenstrategien, europäische Alternativen und, wo sinnvoll, selbstgehostete oder souveränitätswahrende Betriebsmodelle an Gewicht.

Quellen ORF: news.orf.at/stories/3433306 Reuters (Statement von Kommissionssprecher Thomas Regnier, 14.06.2026)

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